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Feb
2010
Der Laufbahn-Floh
Written by Administrator   
Monday, 08 February 2010 13:48
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Mit einem Blumenstrauß geschmückt läuft Meseret Defar die Ehrenrunde in der Schleyerhalle. Ihren eigenen Weltrekord verpasst die Äthiopierin nur ganz knapp.Foto: dpaDie Leichtathletik-Szene ist ein Kessel Buntes und Meseret Defar ist darin ein glänzendes Goldstück

Stuttgart - Sind so kleine Füße. Sind so schmale Hüften. Sind so knochige Schultern. Alles zusammen gehört zu Meseret Defar aus Äthiopien, 1,55 Meter groß, 42 Kilogramm Wettkampfgewicht. Ein Laufbahn-Floh in der Weltklasse der Langstrecklerinnen. Beim Sparkassen-Cup in der Stuttgarter Schleyerhalle hat die 26 Jahre alte Äthiopierin die 8500 Zuschauer begeistert.

Nur sie selbst und eine Handvoll Insider haben bemerkt, dass die Olympiasiegerin über 5000 Meter von 2004 über die 3000 Meter auf Weltrekordkurs ist. Das hat sie von langer Hand geplant. Seit Herbst vergangenen Jahres hat sie keinen Wettkampf absolviert und nur in ihrer Heimatstadt Addis Abeba trainiert. Jetzt steht sie an der Startlinie, hat den Plan im Kopf und viel Kraft in den Beinen.

Die Tschechin Marcela Lustigova macht das Tempo, die festgelegten Durchgangszeiten über 1000 Meter (2:48 Minuten) und 2000 Meter (4:12 Minuten) werden fast auf die Sekunde eingehalten. Am Ende läuft Meseret Defar 8:24,46 Minuten, läppische 74 Hundertstel fehlen zur von ihr selbst 2007 in Stuttgart aufgestellten Bestzeit (8:23,72 Minuten).

Die Leichtathletik-Szene ist ein Kessel Buntes und die 26-Jährige ist darin ein glänzendes Goldstück. Jetzt steht sie abseits der Laufbahn, das Gesicht glänzt vom Schweiß, die Fingernägel sind dunkelrot lackiert, die weißen Zähne blitzen. „Nicht einmal eine Sekunde hat gefehlt“, jammert sie untröstlich, denn sie hätte ihrem Lieblings-Meeting in der Schwaben-Metropole, wo sie schon fünf Mal an den Start ging, so gerne einen Weltrekord geschenkt. Eine zweite Tempomacherin, beklagt sie, wäre ganz gut gewesen, dann hätte es ihrer Ansicht nach mit einer neuen Bestzeit geklappt.

Meseret Defar bedient fast alle gängigen Klischees der Läuferinnen vom schwarzen Kontinent. Aufgewachsen ist sie am Rande der Millionen-Metropole Addis Abeba als eines von sechs Kindern. Die Familie mit Vater Tolla und Mutter Asther ist arm, das Nötigste zum Leben haben sie, mehr nicht.

Wasser wird in ihrer Kindheit vom nahen Fluss geholt und zählt zum Aufgabengebiet von Meseret, die die Strecke mit den schweren Eimern regelmäßig im Laufschritt absolviert. Auch das Holzsammeln muss sie alleine bewältigen, da kennt die Mutter, die den Haushalt mit großer Strenge organisiert, keine Kompromisse. Der Zusammenhalt in der Familie ist groß und ist auch heute noch ihr Rückhalt. Jede freie Minute außerhalb der Wettkampfsaison verbringt sie in Addis Abeba, wo ganz in der Nähe auch ihr großes Vorbild geboren ist. „Du läufst wie Abebe Bikila“, hatte eines Tages ihr Vater zu ihr gesagt. Bikila gewann 1960 bei den Olympischen Spielen in Rom den Marathon, barfuß, 1964 in Tokio wiederholte er den Triumph, dieses Mal mit Schuhen.

Wie Bikila ist sie zu großem Ruhm gekommen und hat in den vergangenen Jahren seit ihrem Einstieg in die Leichtathletik 1999 mit der Teilnahme an den Junioren-Weltmeisterschaften viel Geld verdient. Davon hat sie ihren Eltern ein Haus gekauft und tritt auch als großzügige Wohltäterin auf. Geld fließt Kindern zu, denen sie damit eine Schulbildung ermöglicht, außerdem engagiert sie sich für HIV-Infizierte. Sie ist eine kleine Frau mit einem ganz großen Herzen.

Also dann: bis nächstes Jahr in Stuttgart.

 

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